Roman Angulanza: Neun Jahrzehnte für Glaube, Bildung und eine menschenfreundliche Kirche
Ehemaliger Direktor des Katholischen Bildungswerkes Salzburg feiert seinen 90. Geburtstag
Der gebürtige Salzburger und promovierte Theologe Roman Angulanza leitete das Katholische Bildungswerk in der Erzdiözese Salzburg von 1966 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000. Der einstige Schüler von Joseph Ratzinger prägte mit seinem Wirken die kirchliche Erwachsenenbildung in ganz Österreich und weit über die Grenzen hinaus.
Salzburg. Über drei Jahrzehnte gestaltete Angulanza die Katholische Erwachsenenbildung in Salzburg und dem dazugehörigen Tiroler Teil. Als erst zweiter hauptamtlicher Leiter des Katholischen Bildungswerkes Salzburg initiierte er mit seinem Team, das anfangs lediglich aus einer Assistentin bestand und später auf 17 hauptamtliche MitarbeiterInnen anwuchs, viele erfolgreiche Bildungsprojekte, Veranstaltungsreihen und immer wieder neue Themenschwerpunkte.
Die Bedeutung der Katholischen Erwachsenenbildung unter Roman Angulanza
Mit seiner verständlichen Art, über den christlichen Glauben in der Welt von heute zu sprechen, stellte Roman Angulanza vor allem die Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Sein Ziel war es, Menschen aller Generationen, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion in den Orten und Pfarren zu verbinden und mit der christlichen Überzeugung von einem Leben in Fülle, einem menschenfreundlichen Gott und einer dynamischen Kirche in Berührung zu bringen. Dabei wurden besonders jene Personengruppen angesprochen, die auf der Suche nach Sinn und einem erfüllten Leben sind, die sich den Herausforderungen des Lebens stellen und dazu beitragen, dass Lebensfreude wächst, Angst verringert wird, Gemeinschaft entsteht und Solidarität gefördert wird. Daraus entstand ein bis heute gelebtes Bildungsideal, das nach wie vor in allen Regionen der Erzdiözese Salzburg in Bildungswerken, Frauentreffs und Eltern-Kind-Einrichtungen getragen wird.
Durch die Professionalisierung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen gelang es Angulanza, regionale Ansätze zu fördern, die Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort zu verbessern und damit die Treffsicherheit der Bildungsprogramme zu erhöhen. Unter seiner Leitungstätigkeit fielen etwa 1985 die Gründung der Eltern-Kind-Zentren, die Übernahme der Frauentreffs auf das Gebiet des Landes Salzburg sowie die jährliche Ausrichtung der Internationalen Pädagogischen Werktagung (seit 1972).
Andreas G. Weiß, seit September 2024 amtierender Direktor des Katholischen Bildungswerkes Salzburg, würdigt, dass Angulanza „stets die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen adressierte und mittels Bildungsveranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten Orte schaffte, an denen Menschen zusammenkamen, um ihre Einmaligkeit zu entdecken, Hoffnung zu entwickeln und auch kontroverse Themen anzusprechen.“ Dabei sei im Sinne einer ständigen Vergegenwärtigung der jesuanischen Botschaft immer auch Platz für schwierige Lebenssituationen, wie etwa den Umgang mit Tod und Trauer, Leid und Krankheit, Vereinsamung und Verlust gewesen, unterstreicht Weiß. Durch seine Innovationskraft und sein Engagement in der Erwachsenenbildung prägte Roman Angulanza über 3 Jahrzehnte das Bild der Katholischen Erwachsenenbildung Österreichs.
Persönlicher Werdegang
Roman Angulanza wurde am 8. März 1935 in Salzburg geboren und besuchte hier auch die Volksschule und das Bundesrealgymnasium. Seine Mutter eine Gasthausbesitzerin in Salzburg (Pfeifergasse 14), kam beim ersten Bombenangriff auf Salzburg im Jahr 1944 ums Leben. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer kaufmännischen Lehre und Kaufmann-Gehilfenprüfung mit Auszeichnung in Linz 1953, absolvierte Angulanza in einem zweiten Bildungsweg die Abendmaturaschule in Salzburg mit Reifeprüfung 1958. Zeitgleich widmete sich Angulanza der Musik und studierte ab 1951 Klarinette am Mozarteum Salzburg (Abschluss mit Auszeichnung und Staatspreis für Klarinette 1956).
Nach einem Studienjahr im Priesterseminar Salzburg verschlug es Angulanza weiter nach Deutschland, wo er bis 1965 Theologie an den Universitäten Bonn und Münster studierte: Betreuung eines Hauses der offenen Tür in Bonn; Wissenschaftliche Hilfskraft in Münster bei Prof. Josef Ratzinger (späterer Papst Benedikt XVI., 1927 - 2022). Angulanza zählt somit neben Kardinal Christoph Schönborn und Prälat Hans Walter Vavrovsky zu den in Österreich bekannten Schülern Ratzingers.
Zurück in Österreich arbeitete Angulanza zunächst als Religionslehrer und übernahm im Oktober 1966 die Leitung des Katholischen Bildungswerkes Salzburg. 1973 graduiert Angulanza zum Doktor der Theologie an der Universität Salzburg und übernahm ab 1976 einen Lehrauftrag für Erwachsenenbildung an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Salzburg. Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2000 war Angulanza für die Erwachsenenbildung tätig und referierte als Seminarleiter in ganz Österreich und Südtirol. 1973 wurde Roman Angulanza mit dem Staatspreis für Erwachsenenbildung ausgezeichnet. Angulanza lebt heute mit seiner Familie in Salzburg.
8 März – Gründungstag, Geburtstag & Internationaler Frauentag
Der 8. März markiert für das Katholische Bildungswerks Salzburg einen gewichtigen Tag: neben dem Geburtstag von Roman Angulanza 1935, ist er auch Gründungstag des Katholischen Bildungswerkes Salzburg im Jahr 1946. Unter der Mitarbeit von Matthias Laireiter (späterer Geschäftsführender Präsident des Landeschulrats) und unter der Leitung von Josef Klaus (dem späteren Landeshauptmann und Bundeskanzler), gründete eine kleine Gruppe das Katholische Bildungswerk der Erzdiözese Salzburg. Erklärtes Ziel war es damals der Nachkriegsgeneration mit christlichen Werten Hoffnung und Selbstbestimmung zu vermitteln, die Spuren der NS-Zeit mit Bildung aufzuarbeiten und vor allem jungen Menschen, die vielerorts mit nationalsozialistischem Gedankengut aufgewachsen sind Alternativen aufzuzeigen.
Heute betreut das Katholische Bildungswerk Salzburg mehr als 1.300 ehrenamtliche MitarbeiterInnen in knapp 300 örtlichen Einrichtungen und erreicht damit die Menschen in den Orten und Pfarren der gesamten Erzdiözese und dem dazugehörigen Tiroler Teil. Die hauptamtlichen MitarbeiterInnen unterstützen die Arbeit der Ehrenamtlichen und ReferentInnen durch professionelle Begleitung und durch ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot. Das Katholische Bildungswerk Salzburg ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Salzburger Erwachsenenbildung (SEB), der Erwachsenenbildung Tirol und des FORUM Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich, es ist nach dem Qualitätsmanagementsystem EN ISO 9001:2015 und dem Ö-Cert Zertifikat für Qualitätsanbieter im Qualitätsrahmen der Erwachsenenbildung in Österreich zertifiziert.
Zum Internationalen Frauentag 2025 bietet das Katholische Bildungswerk Salzburg ein Frauen Barcamp an. Unter dem Motto „Frau*Sein - Spagat zwischen Erwartung und Realität“ treffen sich Frauen - gleichzeitig und digital vernetzt - an 5 verschiedenen Orten in Österreich (Treffpunkt Bildung/Elsbethen, Haus der Frau/Linz, BildungsZentrum St. Benedikt/Seitenstetten, Haus der Frauen/St. Johann in der Steiermark, ANIMA Bildungsinitiative für Frauen/Wien,). Das Barcamp bietet die besondere Gelegenheit sich auszutauschen, zu vernetzen und voneinander zu lernen. Ein Barcamp ist eine sogenannte „Unkonferenz“ und lebt vom Mitmachen, es ist eine partizipative Veranstaltung, bei der die Teilnehmerinnen selbst die Themen, Workshops, Ablauf gestalten. Das Barcamp wurde auf Initiative der Vernetzung Frauenbildung des Forums Katholischer Erwachsenenbildung organisiert und wird vom Land Salzburg, Referat für Frauen und Diversität und von Welt der Frauen unterstützt.
K. A., März 2025